Ausgabe Nr. 44 (März/April 2013)

Unterwegs in Frankreich

Nantes

Im Westen viel Neues

Und wenn sich die Zukunft des städtischen Lebens und der touristischen Entwicklung in Nantes abspielen würde? Zwischen der Bretagne und den weltberühmten Schlössern des Loire-Tals gelegen, erlebte die Stadt während des Zweiten Weltkrieges und in den 1970er-/1980er-Jahren schwere Schicksalsschläge. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nantes hat sich auf spektakuläre Weise verwandelt und ist heute eine der attraktivsten Städte Frankreichs geworden. Die Einheimischen schätzen die hohe Lebensqualität und die Dynamik der Hauptstadt der Pays de la Loire. Die Touristen kommen wegen der kulturellen Frischzellenkur, die die Stadt erfuhr, und der vielen neuen Möglichkeiten. Die Metamorphose von Nantes ist faszinierend. Eine Reise zu ihren äußeren Symbolen und zu den Menschen, die die Verwandlung ermöglichten. Denn Nantes ist vor allem eines: ein Teamplayer, und das auch, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht.

Burgund

Mit dem Hausboot auf der Saône unterwegs

Vom Wasser sieht selbst eine vertraute Landschaft plötzlich ganz anders aus. Auf den Wasserwegen Burgunds lässt sich diese Behauptung auch als ungeübter Hobbykapitän unkompliziert überprüfen. Ein Erlebnisbericht über vier unvergessliche Tage mit einem Hausboot auf der Saône.

Provence

Die unerwarteten Reize eines viel besuchten Dorfes

Südlich von Avignon und nordöstlich von Arles erheben sich die Alpillen aus der Ebene, ein schroffer kleiner Gebirgszug aus Kalkstein. Die von der Sonne verwöhnte und vom Mistral geformte Landschaft hat mit ihren Weinbergen und Olivenhainen zahlreiche Maler inspiriert, darunter auch Van Gogh. Les Baux-de-Provence, das seit 1998 auch offiziell als eines der schönsten Dörfer Frankreichs gilt, ist das Herz der Alpillen. Wegen seiner großen Beliebtheit ist der Ort in den Sommermonaten stark überlaufen, womit er leider einen Teil seines Charmes einbüßt. Wer sich aber ein wenig abseits der Hauptwege aufhält und in der Nebensaison nach Les Baux-de-Provence kommt, kann einen überraschend reizvollen Ort vorfinden. Eine Reise voller Insidertipps.

Camping

Frankreichs außergewöhnliche Campingplätze (Teil 1: Ostfrankreich)

Camping kommt in Frankreich an erster Stelle, wenn es um die Anzahl touristischer Unterkünfte geht. 937.520 Stellplätze gibt es zurzeit. Das Land ist damit europäischer Spitzenreiter und weltweit die Nummer zwei nach den USA. Vorbei sind auch die Zeiten, als gemeinschaftlich genutzte Sanitäranlagen ohne warmes Wasser garantiert waren und man bescheiden in Zelten hausen musste. Inzwischen kann man im Bungalow auf dem See, in einer Jurte oder im Baumhaus logieren. Camping ist eine eigene Lebensart. Natur und Ruhe verbinden sich mit Komfort und Exotik. Entdecken Sie einige der besten Campingplätze des Landes.

Midi-Pyrénées

Gouffre de Padirac, der Erdmitte ein Stückchen näherkommen

Der Schlund von Padirac im Departement Lot, nur einige Kilometer nordöstlich des Touristendorfes Rocamadour gelegen, ist eine der größten geologischen Besonderheiten Frankreichs. Wie ein riesiges Loch mit einem Durchmesser von 33 Metern und einer Tiefe von 75 Metern tut er sich in der Erdoberfläche auf. Der Schlund zieht jedes Jahr um die 450.000 neugierige Besucher an, die hier ihren Traum von einer Reise unter die Erde verwirklichen können und dabei ein faszinierendes Höhlensystem mit unterirdischen Seen, Gängen und Sälen entdecken. Was jedoch weniger bekannt ist: Der Besuch dieser Sehenswürdigkeit wäre heute nicht ohne das Generationen übergreifende Engagement einer Familie möglich, die einst durch großen Zufall den Vater der modernen Höhlenforschung, Edouard-Alfred Martel, traf.

Lyon & Umgebung

Eine Reise zu den städtebaulichen Utopien des 20. Jahrhunderts

In den 1920er/1930er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg suchten Politiker aus dem Lyoner Ballungsraum gemeinsam mit Architekten, die zur Bewegung des Neuen Bauens gehörten, nach Antworten gegen Wohnungsnot und miserable Wohnstandards. Große Bauprojekte, bei denen neue Formen und Techniken zum Einsatz kamen, wurden angeschoben. Heute vermarkten sich vier dieser Siedlungen sowie ein Kloster aus dieser Zeit gemeinsam. Ziel ist es, mehr Besucher für den Städtebau des 20. Jahrhunderts zu interessieren, der vor allem die Lebensbedingungen der Menschen verbessern wollte. Eine Reise zu den architektonischen Utopien von Tony Garnier, Morice Leroux, Jean Renaudie und Le Corbusier.

Frankreich heute

Verkehr

Neuer Trend: Der Bahnhof wird zum Flughafen

An einem Schalter empfangen zu werden, dort für einen Flug einzuchecken und seine Bordkarte zu erhalten, sind bekannte Rituale an einem Flughafen. Doch das gleiche Szenario spielt sich zunehmend auch an französischen Bahnhöfen ab. Der jahrzehntelange Konkurrenzkampf zwischen Flugzeug und Hochgeschwindigkeitszug weicht zunehmend einer neuen Partnerschaft. Air France und die französische Staatsbahn SNCF haben entdeckt, dass sie gemeinsam stärker sein können als alleine. Eine Zusammenarbeit, die in den kommenden Jahren die Reisegewohnheiten nachhaltig verändern könnte.

Gesellschaft

Korsika, die Revolution der Frauen geht weiter

Allein 2012 werden auf Korsika 22 Morde gezählt, womit sich auf der Insel erneut eine Spirale der Gewalt dreht, die man als überwunden angesehen hatte und von der heute niemand so richtig weiß, wie sie zu stoppen ist. Vergeltungsakte, mafiöse Strukturen, Geldwäsche, schwarze Kassen, das Gesetz des Schweigens - Schlagwörter, die Korsikas Übel beschreiben und nicht zu einer rechtstaatlichen Republik gehören, als die sich Frankreich definiert. 15 Jahre nach dem ersten Aufbegehren einiger mutiger Frauen gegen diese Geißeln der Insel der Schönheit versuchen diese erneut, mit ihrem Aufschrei die Verhältnisse zu verändern. Die Revolte der Frauen ist zurück.

Politik

Wenn eine Freundschaft zum Ritual wird

Der 22. Januar ist ein besonderer Tag für die deutsch-französische Freundschaft. Es ist der Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages, der die Beziehungen zweier ehemaliger Erbfeinde auf eine neue Grundlage stellte. Dieses Jahr war das Jubiläum besonders feiernswert, jährte sich das Ereignis schließlich zum 50. Mal. Doch während der Tag von offizieller Seite mit viel Pomp begangen wurde, war das Medieninteresse eher schwach. Hat die deutsch-französische Freundschaft an Reiz verloren? Ein ernüchternder Rückblick auf einen eigentlich sehr bemerkenswerten Tag.

Art de vivre

Wein

Les Grés de Montpellier

In der Region Languedoc-Roussillon präsentiert sich Geschichte an allen Ecken und Enden, oftmals « in Stein gegossen »: Aquädukte, Oppida, romanische Kapellen und gut erhaltene mittelalterliche Stadtkerne künden von vergangenen Zeiten. Darüber kann man ein anderes historisches Vermächtnis fast übersehen: die Weinberge. Die Tradition des Weinanbaus reicht dank der Besiedlung durch die Griechen und Römer bis ins 5. Jahrhundert vor Christi Geburt zurück. Damit verfügt die Region über die ältesten Anbaugebiete Frankreichs. Innerhalb der als AOC geschützten Appellation « Languedoc » haben sich die Weingüter des Großraums Montpellier im Jahr 2002 als « Les Grès de Montpellier » zusammengeschlossen. Es handelt sich dabei noch nicht um eine offiziell geschützte Appellation, doch eine eigenständige AOC ist das erklärte Ziel der lokalen Winzer. Schon heute überraschen diese ausschließlich roten Weine durch ihre Qualität.

Chantals Rezept

Quiche sans pâte

Haben Sie manchmal auch keine Zeit oder Lust, lange am Herd zu stehen? Ich zaubere in solchen Fällen kurzerhand eine Quiche ohne Teig, eines meiner Geheimrezepte. In kleine Vierecke geschnitten bietet sie sich als Appetitanreger an, in kleinen Formen gebacken als Vorspeise oder als großes Stück mit einem Salat als Hauptspeise. Ich schlage Ihnen hier eine Variante mit Lauch und Speck vor. Genauso gut eignen sich aber auch Schinken und Lauch, Schinken und Champignons oder geräucherter Lachs und Lauch. Der Experimentierfreudigkeit sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Schauen Sie einfach in Ihrem Kühlschrank nach. Irgendwelche passenden Zutaten werden sich bestimmt finden lassen.

Genuss

Die AOC von Provence-Alpes-Côte d'Azur

Mit 36 geschützten Ursprungsbezeichnungen (AOC und AOP) bringt es die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur (PACA) auf nicht weniger als 112 hochwertige Produkte mit AOC- und AOP-Siegel. Sie spiegeln die Vielfalt der Landschaft zwischen Mittelmeerküste und den Ausläufern der Alpen auf kulinarischer Ebene wider.

Trüffel

Schwarze Diamanten

Im Südosten des Departements Dordogne, ungefähr gleich weit von Bordeaux und Toulouse entfernt, ist das mittelalterliche Sarlat-la-Canéda die Hauptstadt des Périgord Noir. Reiseführer erklären, dass die Bezeichnung « schwarz » von den dichten Eichen- und Kastanienwäldern in der Umgebung herrührt. Doch wer weiß, vielleicht spielt auch ein Pilz eine Rolle? Er ist ein Star der Feinschmeckerszene und heißt tuber melanosporum, besser bekannt unter dem Namen « schwarzer Périgord-Trüffel ». Die traditionell verschlossene Welt der Trüffelproduktion hat uns während der gerade zu Ende gehenden Saison einen Blick hinter ihre Kulissen erlaubt. Die seltene Chance, mehr über eine regionaltypische Kostbarkeit zu erfahren.