Ausgabe Nr. 81 (Winter 2021/22)

UNTERWEGS IN FRANKREICH

Côte d'Azur
Die Magie eines mimosengelben und azurblauen Winters

Ist der Winter vielleicht die schönste Jahreszeit, um die Côte d‘Azur zu entdecken? Es gibt dann viel weniger Verkehr als im Hochsommer, die Dörfer und ihre Bewohner sind zur Ruhe gekommen, haben ihre Authentizität wiedergefunden, und die Sonne scheint dort im Winter öfter als anderswo. Aber abgesehen davon herrscht von Januar bis März in dieser Region – vor allem von der Corniche des Maures, über das Massif de l‘Estérel, bis zum Massif du Tanneron – ein strahlend leuchtender Goldton vor: Dann blühen nämlich die Mimosen und man hat förmlich den Eindruck, als explodierten die Farben. Die Luft ist von einem unvergesslichen Duft erfüllt, alles lädt zu ganz überraschenden Entdeckungen ein. Aber wie kann man diese außergewöhnliche Atmosphäre im Winter am besten erleben? Lesen Sie unsere Tipps dazu …

 

Pays de la Loire

Fontevraud, eine Abteil, die ihrer Zeit schon immer voraus war

In einer abgelegenen, friedlichen, grünen Oase zwischen Saumur (Maine-et-Loire) und Chinon (Indre-et-Loire) befindet sich eines der erhabensten Monumente Frankreichs. Dabei ist dieser Ort paradoxerweise relativ unbekannt. Das wird sich aber sicherlich bald ändern, denn die Abbaye Royale de Fontevraud besitzt nicht nur eine bemerkenswerte Architektur, sondern auch eine erstaunliche Vergangenheit und Gegenwart. Im Verlauf ihrer immerhin 900 Jahre alten Geschichte mangelte es der «Abtei der Frauen», wie sie auch genannt wird, niemals an Kühnheit. Gegründet wurde sie 1101 von einem Mönch, der damals schon an die Gleichstellung von Mann und Frau glaubte und auch Skandale nicht fürchtete, denn dies war das erste gemischte Kloster, das noch dazu von einer Frau geleitet wurde. Bis 1792 lösten sich insgesamt 36 Äbtissinnen an der Spitze ab. Grund genug also, um Fontevraud den Status einer « ungewöhnlichen » Abtei zu verleihen. In der Folge verwandelte jedoch kein Geringerer als Napoleon sie in ein für die damalige Zeit neuartiges Gefängnis. Diesen Status behielt Fontevraud bis 1963. Damit war aber ihre Geschichte immer noch nicht zu Ende. Im Rahmen ihrer jüngsten « Wiederauferstehung » entstand hinter ihren Mauern ein hochrangiges Kulturzentrum. Kürzlich wurde dort ein Museum für moderne Kunst eingeweiht, das bereits heute als eines der innovativsten Frankreichs gilt. Ein Besuch hat sich für uns also aufgedrängt.

Alpen

La Grande Odyssée Savoie-Mont-Blanc,

Blaue Augen, weißes Fell und Hundgebell

Zwölf Tage lang, vom 8. bis 19. Januar 2022, wird ein ganz besonderes Ereignis die paradiesische Stille der ausgedehnten Schneeflächen und der Wälder mit Lärchen, Tannen und Fichten in Savoyen und Hochsavoyen durchbrechen. Dann durchqueren nämlich die Teilnehmer des legendären Schlittenhunderennens Grande Odyssée Savoie Mont Blanc – 66 Musher und ihre 600 treuen Begleiter – die Gegend. Die «Große Odyssee» ist « das » herausragende Ereignis für Schlittenhunde in Europa. Die Gesamtstrecke dieses in seiner Art einzigartigen Etappenrennens beträgt fast 400 km. Über die sportliche Aktivität hinaus, die Mensch, Hund und Natur verbindet, können sowohl die Teilnehmer als auch die Zuschauer bei diesem Anlass die unglaubliche Schönheit der Alpenlandschaft genießen.

 

Hauts-de-France / Grand-Est / Belgien

Gärten des Friedens,

zwischen Erinnerung und Blick in die Zukunft

Seit 2018 entstanden in den französischen Regionen Hauts-de-France und Grand-Est sowie im benachbarten Belgien nach und nach 20 ganz besondere Gartenanlagen. Sie nennen sich Jardins de la Paix, « Gärten des Friedens ». Bis 2023 sollen 14 weitere hinzukommen, wobei auch darüber hinaus eine Weiterführung der Idee geplant ist. Es ist ein bisftlang einzigartiges Landschaftsgartenprojekt, das auf nicht alltägliche und sehr subtile Weise an den Ersten Weltkrieg erinnert. Am Ende soll dabei ein kreativer und neuartiger Gartenparcours entstehen, der neben dem Gedenken an tragische Momente der Vergangenheit zu einem ftffBlick in die Zukunft auffordert.

 

Winterliche Illuminationen

Der faszinierende  Zauber der Lichterstädte

Lange Zeit hatte die Beleuchtung in französischen Städten vor allem einen praktischen Nutzen: Es ging im Grunde genommen darum, bestimmte Gebäude, Monumente, Plätze und Straßen neutral zu beleuchten. Inzwischen gibt es in diesem Bereich jedoch ganz neue Ansätze. Seit einigen Jahren hat sich das Licht in zahlreichen Städten – vor allem im Winter – zu einer wirtschaftlichen und touristischen Komponente entwickelt. Mancherorts legt man sogar einen starken und manchmal richtiggehend spektakulären Akzent auf die Illumination, der weit über eine herkömmliche Weihnachtsbeleuchtung hinausgeht. Vier solcher Städte, deren Initiativen in unseren Augen besonders gelungene Beispiele darstellen, was eine Lichterstadt, eine Ville lumière, ausmacht, stellen wir Ihnen hier vor. Gerade im Winter bietet dieser Aspekt einen zusätzlichen Anreiz für einen Besuch.

Coup de cœur

Saint-Tropez: Gemälde versus Realität

Anlässlich einer Signac gewidmeten Ausstellung mit dem Titel Les Harmonies colorées, präsentierte das Pariser Museum Jacquemart-André im Sommer 2021 mehrere Werke von Signac und seinen Freunden, die in Saint- Tropez entstanden sind. Einer unserer Fotografen hatte wenige Wochen später anlässlich einer Reportage für Frankreich erleben in der Nähe von Saint- Tropez die Idee, die Orte einiger der ausgestellten Bilder aufzusuchen, Fotos aus demselben Blickwinkel zu erstellen und auf diese Weise Gemälde und Realität miteinander zu konfrontieren. Bei dieser Gelegenheit kann man sowohl zahlreiche Übereinstimmungen als auch gravierende Unterschiede feststellen …

FRANKREICH HEUTE

Geschichte

Le Chambon-sur-Lignon

Ein beispielhaftes Stück Frankreich

Die Geschichte erscheint unglaublich. Dennoch ist sie wahr. Es ist die Geschichte einer kleinen Ecke von Frankreich mit einem Radius von kaum einmal zehn Kilometern um ein winziges Dorf namens Le Chambon-sur-Lignon (Haute-Loire). Eine abgelegene, ländliche Gegend südlich von Saint-Etienne (Loire), deren höchster Punkt in einer Höhe von 1000 Metern liegt. Es ist eine jener Gegenden, von denen man oftmals nicht einmal weiß, dass sie existieren. In der Gegend, über die wir hier sprechen, lebten jedoch in den 1920er- bis 1940er-Jahren nicht weniger als 17 Dichter, Schriftsteller, Philosophen und Mathematiker, deren Ruf über die Grenzen Frankreichs hinausging, darunter ein Nobelpreisträger und ein Träger der Fields-Medaille. Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsache, dass die Bewohner hier während des Krieges mutig Hunderte von jüdischen und nicht jüdischen Flüchtlingen aufnahmen, versteckten und beschützten. Es ist ein außergewöhnliches Beispiel für Humanität, das dazu beigetragen hat, dass der Name Le Chambon heute als Symbol für einen Zufluchtsort für Verfolgte gilt.

Interview

"Der Doppelgänger": 30 Jahre deutschsprachige Literatur in Frankreich

Jean-Yves Masson ist Dichter, Schriftsteller, Universitätsprofessor und Übersetzer. Er ist an der deutsch-französischen Grenze, im Departement Moselle, geboren, die Grenze verlief sogar durch den Garten des elterlichen Hauses. Der Liebhaber der Sprache und schöner Worte ist heute beim Verlag Verdier für die Reihe « Der Doppelgänger » verantwortlich, eine sehr renommierte – und ausgesprochen seltene – Buchreihe, die ausschließlich der deutschsprachigen Literatur gewidmet ist. In den 30 Jahren ihres Bestehens, das die Reihe « Der Doppelgänger » gerade feierte, wurden rund 60 Werke publiziert. Wir nahmen dies zum Anlass, uns mit Jean-Yves Masson über die Beziehung der Franzosen zur Sprache und zu deutschen Autoren zu unterhalten.

ART DE VIVRE

Kultur

Die andere Seite von Victor Hugo: der Zeichner
Victor Hugo (1802-1885) ist unbestritten einer der größten französischen Schriftsteller. Er verfasste Gedichte, Romane, Dramen und war darüber hinaus politisch engagiert. Weniger bekannt ist dagegen, dass der aus Besançon (Doubs) stammende, zutiefst humanistische Mensch mit einer Passion für die Sprache auch ein höchst talentierter Zeichner, ein Künstler par excellence war.

Weintourismus

Domaine Riberach, es lebe die Entschleunigung!
Bélesta liegt an der Grenze der Departements Aude und Pyrénées-Orientales, rund zwanzig Fahrminuten von Perpignan entfernt, ganz in der Nähe der Katharerburgen. Die Geschichte von Bélesta ist eng mit Reben und Wein verknüpft, insofern könnte es ein Dorf wie viele andere in dieser Gegend sein. Die Beziehung zum Wein sticht hier ganz besonders ins Auge, denn direkt unterhalb der imposanten Fassade des mittelalterlichen Schlosses entdeckt man das riesige Gebäude der ehemaligen Genossenschaftskellerei. Sie wurde vor einigen Jahren geschlossen und wäre beinahe in Vergessenheit geraten, wäre da nicht ein ambitioniertes Architektenehepaar gewesen, das der Region und ihren Reben eng verbunden ist und beschloss, diesem historischen Ort der Weinbereitung wieder neues Leben einzuhauchen. Gemeinsam mit Freunden gründeten sie die Domaine Riberach. Dahinter steht ein in dieser Gegend einzigartiges Konzept: die Verbindung eines Weinguts mit einem nachhaltig geführten Hotel und Feinschmeckerrestaurant. Ein echtes Juwel in Sachen Weintourismus, wo man offensichtlich genau das spüren kann, was mit dem Begriff « Leben wie Gott in Frankreich » gemeint ist.

Chantals Rezept

Potage d'hiver au chou-fleur et aux épices
« Von allen winterlichen Suppen ist dies mein Lieblingsrezept. Der milde Gemüsegeschmack des beliebten Wintergemüses Blumenkohl harmoniert hervorragend mit der cremigen Kokosmilch. Am meisten mag ich jedoch die unwiderstehliche, exotische Note, die dieses Gericht durch Koriander, Kreuzkümmel und Kurkuma erhält. Da fühlt man sich sofort in die Ferne versetzt. Bon appétit! »

Serie

Typisch Französische Produkte (31)

Chanel N°5: ein Mythos wird 100 Jahre alt
No 5. Ohne Zweifel die berühmteste Nummer in der Welt der Düfte. Eine Nummer, auf die viele neidisch sind, denn das erste Parfum aus dem Hause Chanel wurde bereits 1921 kreiert und ist heute, 100 Jahre später, immer noch das meistverkaufte der Welt. Porträt eines legendären, visionären und zeitlosen Duftes mit einem unglaublichen Schicksal.

RUBRIKEN

Am Tag als...

... 3. Juni 1895... "Die Bürger von Calais" eingeweiht wurden

Es gibt Tage, die anders sind. Sie erscheinen zunächst ganz « banal », doch dann ereignet sich etwas, das die Menschen so bewegt, dass sie sich noch lange daran erinnern. Über solche Tage, die im Gedächtnis der Franzosen haften geblieben sind, berichten wir in dieser Rubrik.

 

Guéwen a testé

... das Label Qualité Tourisme

Vermutlich haben Sie bei einem Aufenthalt in Frankreich bereits das rot-blaue Logo auf weißem Grund Qualité Tourisme gesehen, das oft am Eingang von Restaurants, Unterkünften und anderen Tourismuseinrichtungen angebracht ist. Wissen Sie jedoch, was dieses Label aussagt? Falls nicht, kann ich Sie beruhigen: Da sind Sie nicht alleine, denn selbst viele Franzosen wissen nicht, was genau sich hinter Qualité Tourisme verbirgt. Um in diesem Punkt etwas Klarheit zu bekommen, habe ich recherchiert.

UND VIEL MEHR...