Ausgabe Nr. 57 (Winter 2016)

Unterwegs in Frankreich

Weihnachtsmärkte 

Wo geht es noch authentisch zu?

Weihnachtsmärkte werden auch in Frankreich immer beliebter, und es gibt sie mittlerweile im ganzen Land. In diesem Jahr erwarten die Veranstalter französischer Weihnachtsmärkte rund 30 Millionen Besucher, die vermutlich mehr als 400 Millionen Euro ausgeben werden.

Angesichts dieses touristischen und wirtschaftlichen Segens wird das Angebot immer

abwechslungsreicher und der traditionelle Markt, bei dem man auf handwerklich gefertigte Produkte Wert legt, verwandelt sich in einen Markt mit Massenprodukten, die am anderen Ende der Welt hergestellt werden. Glücklicherweise findet man aber in Frankreich immer noch Weihnachtsmärkte, deren Organisatoren Weihnachten nicht nur unter dem kommerziellen Blickwinkel sehen, sondern die nach wie vor ein authentisches Konzept verfechten. Wir haben für Sie Märkte ausgewählt, die unter diesem Aspekt einen Besuch wert sind.

Côte Vermeille

Paulilles, wenn die Hölle zum Paradies wird

Die Bucht von Paulilles liegt in den Pyrénées-Orientales, eingebettet zwischen Collioure und Banyuls-sur-Mer. Sie besitzt eine ganz außergewöhnliche Vergangenheit, denn hier errichtete Alfred Nobel 1870 die erste französische Dynamitfabrik, die bis 1984 in Betrieb und im Laufe der Zeit oftmals von tragischen Ereignissen geprägt war. Nach einem Jahrhundert intensiver Industrietätigkeit, gefolgt von einem Jahrzehnt, in dem der Ort brachlag, hat sich Paulilles, nicht zuletzt dank eines starken öffentlichen Drucks, spektakulär verändert: Die Hölle wurde zum Paradies und zu einem Juwel an der Côte Vermeille. Heute kommen Familien zum Baden und Spazierengehen hierher und können gleichzeitig ein außergewöhnliches historisches und industrielles Kulturerbe entdecken.

Winterurlaub

Romantische Skistationen anstatt Bettenburgen 

In Frankreich gibt es fünf Gebirgsmassive, deren schneebedeckte Gipfel Wintersportler anziehen.
350 Skiorte nehmen dort pro Saison ungefähr 10 Millionen Touristen auf – ein Segen für das Hexagon. Der damit verbundene Umsatz wird auf 10 Milliarden Euro geschätzt, wovon alleine 6,5 Milliarden auf die Region Rhône-Alpes entfallen. Man kann also sagen, dass Skifahren eine richtige « Industrie » geworden ist und
dass manche Wintersportorte regelrecht zubetonierten Massenquartieren gleichen. Doch glücklicherweise gibt es in Frankreich noch immer Skigebiete mit einer überschaubaren Größe, in denen man den Winterurlaub noch genießen kann. Und diese existieren nicht nur auf Postkarten! Geschützte Bergregionen, unberührte Täler und malerische Orte, deren Dächer von einer dicken Schneehaube bedeckt sind. Hier sind unsere Lieblingsorte in jeder der Gebirgsregionen.

Carcassonne

Imponierende Festungsstadt des Mittelalters

Mit ihrer drei Kilometer langen doppelten Befestigungsmauer und ihren rund fünfzig

Türmen bietet die Cité de Carcassonne ein imposantes Bild. Ihre Lage auf dem Hügel

oberhalb des Vallée de l‘Aude, an einer strategischen Kreuzung der Achsen zwischen

Atlantik und Mittelmeer sowie zwischen Zentralmassiv und Spanien, flößt Respekt ein

und zeugt von der bewegten Geschichte der Region. Dabei war die Stadt im 19. Jahrhundert schon nahezu dem Untergang geweiht, da sich in der Nähe des Flusses

eine modernere Unterstadt entwickelt hatte. Sie verdankt ihre Rettung einigen Menschen,die sie zum Symbol einer neuen Sichtweise auf das Kulturerbe und dessen Erhaltung gemacht haben, die sich in Frankreich etabliert hat.

Paris

Musée d‘Histoire de la Médecine: ein ungewöhnliches Museum im Herzen der Hauptstadt

Mitten im Quartier Latin befindet sich hinter den Mauern der ehemaligen medizinischen Fakultät eines der verkanntesten und ungewöhnlichsten Museen von Paris. Es wurde im 18. Jahrhundert zu Zeiten Ludwigs XV. zu pädagogischen Zwecken eingerichtet und zeichnet mit seinen Sammlungen – die zu den ältesten Europas zählen – die Geschichte der Medizin vom Alten Ägypten bis ins 19. Jahrhundert nach. Ein Besuch dieses originellen und sympathischen Museums abseits der ausgetretenen Touristenpfade wartet mit einigen Überraschungen auf.

 

Frankreich heute

Gesellschaft

Hinter den Kulissen des CROSS Corsen.

Die unbezahlbaren Wächter einer der gefährlichsten Küsten Frankreichs

In Frankreich gewährleisten sechs Centres Régionaux Opérationnels de Surveillance et

de Sauvetage (CROSS) täglich rund um die Uhr die Sicherheit auf dem Meer, egal ob es sich dabei um die Sicherheit von Berufsseeleuten oder von Privatpersonen handelt. In diesen regionalen Zentren, die dem für das Seewesen zuständigen Minister unterstehen, arbeiten sowohl Zivilpersonen als auch Angehörige des Militärs. Das CROSS Corsen ist das regionale Rettungs- und Überwachungszentrum der Bretagne. Es liegt auf der Pointe de Corsen in der Gemeinde Plouarzel und überwacht eine der gefährlichsten Küsten Frankreichs an der Schnittstelle von Atlantik und Ärmelkanal. Dies ist eine Gegend mit starken Strömungen, wo auch der berühmte Rail d’Ouessant liegt, eine richtiggehende Meeresautobahn, die von rund 20 % des weltweiten Seeverkehrs passiert wird. Ausnahmsweise dürfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Zentrums werfen.

Geschichte

300. Todestag von Ludwig XIV. in Versailles

Begräbnisrituale leben länger als Könige

Ludwig XIV. starb am 1. September 1715 im Alter von 77 Jahren in seinem Schlafgemach im Schloss Versailles. Damit ging die mit 72 Jahren längste – und vermutlich die glorreichste – Regentschaft der französischen Monarchie zu Ende. Mit ihm starb ein Mann, der in seinem Königreich als Garant für Ordnung und Stabilität gegolten und das letzte Bollwerk gegen das neue Gedankengut verkörpert hatte, das seit 1680 am Keimen war und als Zeitalter der Aufklärung in die Geschichte einging. 300 Jahre nach dem Tod des Sonnenkönigs widmet das Schloss Versailles erstmals einer königlichen Beisetzung eine Ausstellung. Wer nun vermutet, dies sei ein langweiliges Thema, täuscht sich. Die Ausstellung bietet nämlich die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines erstaunlichen monarchistischen Rituals zu blicken, das die Gepflogenheiten unserer heutigen Gesellschaft in Europa entscheidend geprägt hat.

Art de vivre

Champagner

Was Sie schon immer über Champagner wissen wollten

Warum ist Champagner so teuer?

Warum trinkt man Champagner aus einem Champagnerglas?

Wie serviert man Champagner am besten?

Nützt es etwas, einen Löffel in den Hals einer Champagnerflasche zu stecken, damit die Bläschen erhalten bleiben?…

Die Antworten auf diese und andere Fragen erhalten Sie in diesem Artikel.


Chantals Rezept

Camembert rôti au four

« Der Camembert ist nicht nur ein Symbol der Normandie, er ist darüber hinaus aus der französischen Gastronomie nicht wegzudenken. Man isst ihn klassisch mit Brot am Ende einer Mahlzeit. Heute stelle ich Ihnen jedoch eine originellere Art der Zubereitung vor, bei der er subtilere, fruchtige Noten offenbart: im Ofen gebacken. Ein perfektes Rezept, das man besonders gerne im Winter genießt. Bon appétit! »

Produkte

Sophie la girafe

In dieser Serie werden Produkte vorgestellt, die sich in fast jedem französischen

Haushalt befinden oder die für viele Franzosen kleine Nationalheiligtümer sind, auch wenn sie – vom Ausland aus betrachtet – vielleicht nicht immer als typisch französisch wahrgenommen werden. Ein solches Produkt ist ein Spielzeug, das ganz einfach aussieht, sich aber im Laufe von knapp 55 Jahren zum wahren Mythos entwickelt hat: Quasi jedes französische Baby bekommt bei der Geburt diese lustige kleine Giraffe mit dem sympathischen Lächeln geschenkt, die im Departement Haute-Savoie produziert wird. Generation um Generation kauen kleine Franzosen auf der Giraffe namens Sophie herum, um sich das Zahnen zu erleichtern; sie drehen Beine und Hals der Giraffe in alle Richtungen und trainieren so das Greifen; kurz, mit Sophie la girafe entdecken die Babys die Welt und ihre eigenen Sinne. Deshalb lieben alle Kinder und Eltern dieses Spielzeug, das mit 50 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Babyspielzeug Frankreichs ist und inzwischen auch im Ausland Erfolg hat.