Ausgabe Nr. 40 (Juli/August 2012)

Unterwegs in Frankreich

Drôme

Im Land der schönen Briefe: eine Reise nach Grignan

Wenn man sich vom Norden aus dem Süden nähert, wechselt die Landschaft bei Montélimar ihr Gesicht. Sie bekommt plötzlich ihren typisch mediterranen Anstrich. An dieser Schnittstelle befindet sich auch das Dorf Grignan. Auf einem Hügel thronend und mit einem Lavendelfeld zu Füßen, könnte seine Anmutung nicht provenzalischer sein, obwohl es noch im Departement Drôme liegt. Grignan verheißt die Verlockungen des Südens. Doch Grignan ist noch mehr als eine perfekte Postkartenidylle. Der Ort ist bekannt für einen berühmt gewordenen Schriftwechsel zwischen einer Mutter und ihrer Tochter. Fast 800 Briefe schrieben sich beide zwischen 1671 und 1696, heute ein Meisterwerk der französischen Literatur. Selbst 350 Jahre später, im Zeitalter der SMS und E-Mails, spürt man in den Gassen von Grignan noch immer diese besondere Lust für die Kunst des Schreibens.

10 Ideen...

...für Ferien am Meer

Es ist Sommer, eine Jahreszeit, zu der sich viele einen Urlaub am Meer wünschen. Frankreichs Küsten sind mit 2.693 Kilometern fast genauso lang wie die Grenzen zu den Nachbarländern (2.970 Kilometer). Ideale Voraussetzungen für Ferien am Meer, zumal man zwischen Mittelmeer, Atlantik, Ärmelkanal, Nordsee und sogar - schließt man die Überseegebiete mit ein - Pazifik und Indischem Ozean wählen kann. Also ganz egal, ob man Kieselstrände, weite Sandstrände oder kleine verwunschene Buchten bevorzugt, auf französischem Boden lässt sich alles finden. Doch nicht nur die Strände des Landes locken, auch attraktive Seebäder und Hafenstädte lohnen einen Besuch. 10 Ideen für einen Urlaub am Meer.

Elsass

Haut-Koenigsbourg, ein wahrhaft deutsch-französisches Kulturerbe

Im Herzen des Elsass an der Grenze der beiden Departements Haut-Rhin und Bas-Rhin dominiert die Haut-Kœnigsbourg die Rheinebene. Die auf einer Höhe von 757 Metern gelegene Burg zeugt von einer 900-jährigen Geschichte, die an der Schnittstelle zweier großer Nationen nicht immer ganz einfach war. Heute ist die Festung für Elsässer und Deutsche gleichermaßen identitätsstiftend. Mit mehr als einer halben Millionen Besucher pro Jahr ist sie zudem eine der bestbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs.

Klöster

Abteien, die sogar Kinder begeistern

Kann der Besuch von alten Klöstern aus dem Mittelalter ein spannender Ausflug für die ganze Familie sein? Ja! Drei Abteien in der Nähe von Poitiers und Niort beweisen es. Außerdem lockt die Hauptstadt der Region Poitou-Charentes mit einem Besuch. Ein Erlebnisbericht.

Marne

In der Heimat des Champagners

Ein Gesetz aus dem Jahre 1927 legt fest, wo Weinstöcke wachsen müssen, aus deren Trauben Champagner gemacht werden darf. Es sind enge Grenzen, denn nur 33.568 Hektar sind dafür zugelassen. Die Anbaufläche verteilt sich auf die fünf Departements Aisne, Aube, Haute-Marne, Marne und Seine-et-Marne im Osten Frankreichs. Der Schwerpunkt liegt jedoch im Departement Marne, wo sich 67 Prozent der Fläche befinden. Auf diversen Champagner-Routen kann man mehr über das besondere Zusammenspiel von Böden, Klima, Tradition und Kultur erfahren, das aus Champagner den König aller alkoholischen Getränke macht. Die fünf Routen im Departement Marne stellen wir Ihnen vor.

Frankreich heute

Medien

Die politische Ausrichtung französischer Medien

Ein Vorteil von Wahlkampfzeiten ist, dass es zu jedem möglichen Aspekt des Wählerverhaltens Umfragen gibt. Dies war im Vorfeld der kürzlich stattgefundenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Frankreich natürlich nicht anders. Eine der Meinungsumfragen, die auch nach den Wahlen noch von Bedeutung ist, untersuchte die Frage, welche Wähler welche Zeitung lesen, welchen Radiosender hören und welches Fernsehprogramm sehen. Die Antworten sagen viel darüber aus, wie sich ein Medium politisch aufstellt - nicht nur in Wahlkampfzeiten.

Tourismus

Hauptsache außergewöhnlich

Außergewöhnlich sein. Das ist heute im französischen Tourismussektor die Devise, die über alles zu gelten scheint. Nach aktuellem Erkenntnisstand, so heißt es zumindest, muss jedes touristische Angebot und jedes Reiseziel vor allem eins, um bestehen zu können: anders sein als die Konkurrenz. Nach dieser Logik geht es meist darum, dass der Gast einen unvergleichbaren Aufenthalt erlebt, ständig etwas Neues geboten bekommt, stets überrascht wird. Doch wohin führt diese ständige Suche nach dem Extremen und Außergewöhnlichen? Kann sie wirklich die Zukunft des Reisens sein?

Stadtentwicklung

Architektonischer Aufbruch an der Seine

Nach den großen Bauvorhaben unter François Mitterrand, wie etwa der moderne Triumphbogen Grande Arche oder die Pyramide des Louvre, verfiel Paris in einen architektonischen Dornröschenschlaf. Zwar pflegte man mit Bedacht die alte Bausubstanz der Stadt, doch neue spektakuläre Bauvorhaben wurden zur Mangelware. Paris geriet im Vergleich zu dynamischen Städten wie London, Barcelona oder Berlin ins Hintertreffen. Inzwischen hat jedoch ein Umdenken an der Seine stattgefunden. Es geht städteplanerisch nicht mehr nur ums Renovieren. Vielmehr wurde eine Reihe neuer spektakulärer Projekte angeschoben. Auf rund zehn Prozent der Stadtfläche wird gebaut. Ein Überblick einiger Vorhaben, die das Gesicht der Metropole verändern werden.

Berufe

Simone Hérault, die Stimme Frankreichs

Simone Hérault gehört zum Alltag vieler Franzosen, auch wenn diese das gar nicht wissen: Seit Anfang der 1990er-Jahre erklingt ihre Stimme praktisch in jedem Bahnhof des Landes, denn die nationale Eisenbahngesellschaft SNCF hat ein Ansagesystem für Züge und Bahnhöfe entwickelt, das auf einer einzigen, harmonisch klingenden, weiblichen Stimme basiert. Das gibt es in dieser Form selten auf der Welt. Wir haben die dynamisch wirkende Simone Hérault getroffen, die voller Humor und Bescheidenheit einen der originellsten Jobs Frankreichs ausübt.

Art de vivre

Bier

Schattendasein oder Geheimtipp?

Bier und Frankreich? Das passt irgendwie nicht. Und in der Tat, im Reich des Weins ist wenig Platz für alkoholische Konkurrenz. Dabei ist die Bedeutung des Bieres für die französische Nahrungsmittelproduktion unbestritten. Vom Anbau der Zutaten über die Produktion des Getränks bis zu seiner Auslieferung sorgen die Geschäfte der französischen Brauereien für mehr als 65.000 Arbeitsplätze und 12 Milliarden Euro Umsatz. Frankreich belegt weltweit den ersten Platz beim Malz-Export, bei Gerste steht man an zweiter Stelle. Wer hätte das gedacht! Jenseits aller Zahlen fallen besonders die Vielfalt und Eigenheiten der französischen Biere auf. Wahrscheinlich mehr als anderswo versucht jeder Hersteller, seinem Bier eine einzigartige Persönlichkeit und die Geschmacksvorlieben seiner Heimatregion aufzuprägen. Eine Entdeckungsreise voller Überraschungen durch die Welt des Bieres in Frankreich.

Wein

Lirac, das «mediterranste» Weinanbaugebiet im Rhône-Tal

2.700 Stunden: Soviel beträgt die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer, die ein Rebstock genießen darf, wenn er im Departement Gard nordwestlich von Avignon am rechten Ufer der Rhône steht. Dazu kommt eine Durchschnittstemperatur von 14 Grad. Unter solchen Bedingungen ist es kein Wunder, dass hier ein Wein mit ausgesprochen mediterranem Charakter gedeiht. Wenn es sich zudem um eine Appellation Lirac handelt, die seit fast 65 Jahren AOC-Status hat, sollten Weinliebhaber aufhorchen.

Chantals Rezept

Gazpacho de tomate

Dieses aus Andalusien stammende Rezept wurde längst von vielen Franzosen adoptiert und an den eigenen Geschmack angepasst. Die Suppe lässt sich schnell zubereiten, ist reich an Vitaminen und vor allem an einem heißen Sommertag sehr erfrischend. Bon appétit!

Genuss

Die AOC der Bretagne

Nachdem wir auf unserer kulinarischen Reise durch Frankreich in der Auvergne (Ausgabe Nr. 38) und der Normandie (Ausgabe Nr. 39) haltgemacht haben, interessieren wir uns dieses Mal für die Bretagne. Wer jetzt an die vielen bretonischen Spezialitäten wie einen leckeren crêpe au beurre salé, eine galette complète jambon-œuf-fromage oder ein Stück des reichhaltigen kouign-amann denkt, wird vielleicht erstaunt sein, dass die Region im äußersten Westen des Landes bisher nur sechs Produkte besitzt, die mit dem AOC-Siegel (Appellation d'Origine Contrôlée) bzw. dem europäischen Pendant AOP (Appellation d'Origine Protégée) geadelt wurden. Als ob die Bretonen im Vergleich zu den anderen Regionen vergessen hätten, sich um den Schutz ihrer traditionellen Köstlichkeiten zu kümmern.